Tagebau-Bergbau

 

Einzelne deutsche Tagebaue erreichen Ausdehnungen von bis zu 100 km² und eine Tiefe von bis zu 300 Metern. Sie stellen somit zumindest in Mitteleuropa die größten vom Menschen verursachten Landschaftsveränderungen dar und erwecken den Eindruck einer Mondlandschaft. Das gilt besonders dann, wenn ganze Ortschaften umgesiedelt werden müssen, um dem Tagebau Platz zu machen.

 

Braunkohlenbergbau

Ein Großteil der devastierten Orte entfiel auf die Reviere in der DDR, da hier der Braunkohlenbergbau aus Autarkiegründen nur wenig Rücksicht auf die gewachsene Kulturlandschaft mit ihren teils jahrhundertealten Siedlungen nehmen durfte. In den auch als verlorene Orte bezeichneten überbaggerten Ortschaften wohnten im Mitteldeutschen Revier wie in Magdeborn bis zu 3.200 EW.

Zur Fortführung des Braunkohleabbaus über 1990 hinaus wurden aber bereits Planungen zur Umsiedlung von Kleinstädten wie Zwenkau und Pegau mit über 7.000 Einwohnern erarbeitet. Auch in der Oberlausitz existierten Planungen für die Überbaggerung von weiten Teilen Zittaus. Die Beispiele Heuersdorf und Horno machen deutlich, dass der Braunkohlenbergbau auch aktuell noch Eingriffe in das Siedlungsnetz notwendig macht. Dabei zeigen die in beiden Fällen geführten langwierigen Prozesse aber auch, dass die Bemühungen zu sozialverträglichen Umsiedlungen nicht zwangsläufig akzeptable Umsiedlungsverfahren wie im Falle der Gemeinde Großgrimma hervorrufen.

In anderen europäischen Braunkohlenbergbaugebieten waren ebenfalls vergleichbare Devastierungen zu verzeichnen, wobei das dichtbesiedelte nordböhmische Braunkohlerevier besonders betroffen war. Hier erfolgten im 20. Jahrhundert großflächige Eingriffe in das Siedlungsnetz, denen allein im Abbaugebiet um Most (Brüx) 33 Siedlungen zum Opfer fielen. Etwa 46.000 Menschen wurden umgesiedelt. Markant war dabei vor allem der Abriss der Moster Altstadt und die weltweit beachtete und technisch anspruchsvolle Versetzung der Dekanatskirche auf einen ausgekohlten Restpfeiler.

Neben dem Braunkohlenbergbau können auch andere Rohstoffförderungen Devastierungen von Siedlungen verursachen. Beispielhaft sei hier auf die Uranerzförderung der SDAG Wismut hingewiesen, der in der sächsisch-thüringischen Uranprovinz 4 Siedlungen komplett und weitere 9 Siedlungen zum Teil zum Opfer fielen.

 

Braunkohlestudie

Lignite study by Jeffrey Michel